Kreditrisiken
Das Kreditrisiko besteht primär aus der Gefahr des vollständigen oder teilweisen Ausfalls der Gegenpartei und dem damit verbundenen Zahlungsausfall. Dabei ist auch das sogenannte Migrationsrisiko von Bedeutung, das aus einer Reduzierung der Bonität der Gegenpartei resultiert und sich in einer Veränderung des Marktwertes bemerkbar macht.
Da das von uns übernommene Geschäft nicht immer vollständig im Selbstbehalt verbleibt, sondern nach Bedarf retrozediert wird, ist auch dieses Risiko, insbesondere in der Schaden-Rückversicherung, für uns von Bedeutung. Um es möglichst gering zu halten, werden unsere Retrozessionäre unter Bonitätsgesichtspunkten sorgfältig ausgewählt. Dies gilt auch für unsere Maklerbeziehungen, in denen z. B. durch den Verlust der durch den Zedenten an den Makler gezahlten Prämie bzw. Doppelzahlungen von Schäden Risiken auftreten können. Wir reduzieren diese Risiken beispielsweise, indem wir alle Maklerbeziehungen einmal pro Jahr auf Kriterien wie Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, Zahlungsverhalten und ordnungsgemäße Vertragsabwicklung überprüfen. Ein Security-Komitee überwacht dabei fortlaufend die Bonität der Retrozessionäre und beschließt gegebenenfalls Maßnahmen zur Besicherung von Forderungen, wenn diese ausfallgefährdet scheinen.
| Selbstbehalt der gebuchten Bruttoprämie | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| in % | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 20051 |
| 1 Inkl. Finanz-Rückversicherung und Specialty Insurance | |||||
| Hannover Rück-Konzern | 92,6 | 89,1 | 87,4 | 76,3 | 79,2 |
| Schaden-Rückversicherung | 94,1 | 88,9 | 85,3 | 72,4 | 85,9 |
| Personen-Rückversicherung | 90,7 | 89,3 | 90,8 | 85,4 | 92,8 |
| Instrumente zur Überwachung und Steuerung unserer Kreditrisiken | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Steuerungskennzahlen | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 |
| 1 (Eigenkapital + Minderheitskapital + Hybridkapital)/verdiente Nettoprämie | |||||
| 2 Hybridkapital/(Eigenkapital + Minderheitskapital) („debt leverage”) | |||||
| 3 EBIT/Zinszahlungen auf Hybridkapital („interest coverage”) | |||||
| 4 Netto-Rückstellungen/verdiente Nettoprämie | |||||
| Solvabilitätsspanne1 | 60,4 % | 66,7 % | 72,6 % | 68,8 % | 61,1 % |
| Eigenkapitalüberdeckung2 | 32,1 % | 41,3 % | 35,0 % | 39,1 % | 45,8 % |
| Zinsbedienungsfähigkeit3 | 14,9x | 1,9x | 12,0x | 10,5x | 1,2x |
| Rückstellungen/Prämie4 | 270,1 % | 312,4 % | 291,3 % | 305,2 % | 304,8 % |
| Kombinierte Schaden-/Kostenquote der Schaden-Rückversicherung | 96,6 % | 95,4 % | 99,7 % | 100,8 % | 112,8 % |
Der Bereich Group Protections ist für die laufende Abgabensteuerung der Hannover Rück-Gruppe verantwortlich. Unsere webbasierte Risiko-Management-Applikation „Cession Limits“ unterstützt den Prozess, indem sie Abgabenlimite für die einzelnen, an den Schutzdeckungsprogrammen beteiligten Retrozessionäre vorgibt und die noch freien Kapazitäten für kurz-, mittel- und langfristiges Geschäft ermittelt (Abgabensteuerung). Abhängig von der Art und erwarteten Dauer der Abwicklung des rückversicherten Geschäfts fließen bei der Auswahl der Rückversicherer neben Mindestratings der Ratingagenturen Standard & Poor’s und A. M. Best auch noch interne und externe Experteneinschätzungen ein (z. B. Marktinformationen von Maklern). Insgesamt schützen Retrozessionen unser Kapital, sie stabilisieren und optimieren unsere Ergebnisse und erlauben uns, vom „harten“ Markt voll zu profitieren (z. B. nach einem Großschadenereignis). Neben der klassischen Retrozession in der Schaden-Rückversicherung transferieren wir auch Risiken in den Kapitalmarkt. Kreditrisiken sind aber auch im Hinblick auf unsere Kapitalanlagen sowie innerhalb der Personen-Rückversicherung von Bedeutung, weil wir Abschlusskosten unserer Zedenten vorfinanzieren. Unsere Zedenten, Retrozessionäre und Maklerbeziehungen, aber auch unsere Kapitalanlagen werden deshalb unter Bonitätsgesichtspunkten sorgfältig bewertet, eingegrenzt und im Rahmen unseres Limit- und Schwellenwertsystems laufend überwacht und gesteuert.
Die wesentlichen Steuerungskennzahlen des Kreditrisikos stellen sich wie folgt dar:
- 96,0 % unserer Retrozessionäre sind mit einem sogenannten Investment-Grade-Rating klassifiziert („AAA“ bis „BBB“).
- 93,9 % verfügen über ein Rating in der Kategorie „A“ oder besser.
- Seit dem Jahr 2005 konnten wir die Höhe der Forderungen um insgesamt 63 % senken.
- Unsere Forderungen aus dem in Rückdeckung gegebenen Geschäft sind zu 30,5 % durch Depots oder Avalbürgschaften gesichert. Bei den meisten unserer Retrozessionäre sind wir auch Rückversicherer, d. h., es besteht meist ein Aufrechnungspotenzial mit eigenen Verbindlichkeiten.
- Bezogen auf die wesentlichen Gesellschaften des Hannover Rück-Konzerns waren zum Bilanzstichtag 279,8 Mio. EUR (9,75 %) unserer Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft in Höhe von 2.869,9 Mio. EUR älter als 90 Tage.
- Die durchschnittliche Ausfallquote der letzten drei Jahre betrug 0,2 %.
| Zusammensetzung der festverzinslichen Wertpapiere nach Ratingklassen1 | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ratingklassen | Staatsanleihen | Anleihen halbstaatlicher Institutionen | Unternehmens- anleihen |
Hypothe- karisch/ dinglich gesicherte Schuldver- schreibungen |
||||
| in % | in Mio. EUR | in % | in Mio. EUR | in % | in Mio. EUR | in % | in Mio. EUR | |
| 1 Über Investmentfonds gehaltene Wertpapiere sind anteilig mit ihren jeweiligen Einzelratings berücksichtigt | ||||||||
| AAA | 84,5 | 4.756,4 | 56,7 | 3.267,1 | 4,4 | 216,0 | 75,4 | 2.534,7 |
| AA | 5,7 | 321,6 | 38,9 | 2.239,8 | 18,4 | 912,0 | 15,5 | 520,6 |
| A | 5,4 | 303,2 | 3,8 | 218,8 | 55,0 | 2.719,4 | 1,4 | 48,2 |
| BBB | 4,1 | 231,2 | 0,3 | 17,0 | 14,8 | 730,2 | 2,7 | 90,1 |
| < BBB | 0,3 | 15,8 | 0,3 | 19,1 | 7,4 | 364,8 | 5,0 | 169,5 |
| Gesamt | 100,0 | 5.628,2 | 100,0 | 5.761,8 | 100,0 | 4.942,4 | 100,0 | 3.363,1 |
Aus der Retrozession ergeben sich Ansprüche, die wir gegenüber unseren Retrozessionären haben. Diese Rückversicherungsforderungen – die Anteile der Rückversicherer an der Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle – belaufen sich zum Bilanzstichtag auf 1.748,0 Mio. EUR (2.079,2 Mio. EUR).
In der Grafik werden unsere Rückversicherungsforderungen – unterteilt nach Ratingqualität – gegenüber unseren Retrozessionären dargestellt.
Zu weiteren Erläuterungen zu den am Bilanzstichtag nicht wertberichtigten, jedoch als fällig eingestuften versicherungstechnischen und sonstigen Vermögenswerten und den wesentlichen, außerplanmäßigen Abschreibungen des Berichtsjahres verweisen wir auf Kapitel 6.4 „Versicherungstechnische Aktiva“, Kapitel 6.6 „Sonstige Vermögenswerte“ sowie Kapitel 7.2 „Ergebnis der Kapitalanlagen“.
Bei den Kapitalanlagen ergeben sich Kreditrisiken aus der Gefahr eines Ausfalls (Zins und/oder Tilgung) oder der Änderung der Bonität (Ratingreduzierung) der Emittenten von Wertpapieren. Der Bonitätsbeurteilung – anhand der in den Kapitalanlagerichtlinien festgelegten Qualitätskriterien – kommt bei uns eine zentrale Bedeutung zu.
Auf Marktwertbasis wurden 2.569,9 Mio. EUR der von uns gehaltenen Unternehmensanleihen von Firmen der Finanzindustrie begeben. Hiervon entfallen 1.846,2 Mio. EUR auf Banken. Der überwiegende Teil dieser Bankanleihen (nahezu 90 %) ist mit einem Rating von ,,A“ oder besser bewertet. Es befinden sich keine direkt gezeichneten Kreditderivate in unserem selbstverwalteten Kapitalanlageportefeuille.