Wesentliche Risiken
Versicherungstechnische Risiken der Schaden-Rückversicherung
Risiken aus dem Bereich der Schaden-Rückversicherung sind von entscheidender Bedeutung für unseren Geschäftsbetrieb. Wir unterscheiden hier grundsätzlich zwischen Risiken, die aus dem Geschäftsbetrieb der Vorjahre (Reserverisiko) resultieren, und solchen, die sich aus dem Geschäftsbetrieb des aktuellen Jahres bzw. zukünftiger Jahre (Preis-/Prämienrisiko) ergeben. Bei Letzterem spielt das Katastrophenrisiko eine besondere Rolle.
| Großschäden 2009 in Mio. EUR | brutto | netto |
|---|---|---|
| Buschbrände in Victoria/Australien, 5.–17. Februar | 38,2 | 34,7 |
| Wintersturm „Klaus“ in Frankreich und Spanien, 23.–25. Januar |
34,9 | 33,8 |
| Airbus-Absturz, Atlantik, 1. Juni | 56,8 | 33,8 |
| Schaden an einer Ölbohrplattform in Australien, 20. August | 19,4 | 16,9 |
| Überschwemmung in Manila/Philippinen, 21.–28. September | 16,9 | 16,9 |
| Flut in Mittel- und Osteuropa, 22.–25. Juni | 15,3 | 14,8 |
| Explosion in Wasserkraftwerk in Russland, 17. August | 11,9 | 11,9 |
| Erdbeben in L'Aquila/Italien, 6. April | 11,3 | 11,2 |
| Einsturz Stadtarchiv in Köln, 3. März | 23,7 | 10,8 |
| Hagelsturm in Mittel- und Osteuropa, 23./24. Juli | 10,2 | 9,1 |
| Satellitenausfall, 11. April | 8,9 | 8,6 |
| Luftfahrtschaden in Clarence/USA, 12. Februar | 12,4 | 8,4 |
| Satellitenausfall, 22. Januar | 7,6 | 7,5 |
| Luftfahrtschaden im Jemen, 30. Juni | 7,0 | 6,4 |
| Überschwemmung in Großbritannien und Irland, 18.–20. November |
5,9 | 5,4 |
| Transportschaden in Viareggio/Italien, 29. Juni | 5,0 | 5,0 |
| Hagelsturm in Alberta/Kanada, 1.–3. August | 5,1 | 4,5 |
| Gesamt | 290,5 | 239,8 |
| Limit für 100- und 250-Jahresgesamtschaden und dessen Auslastung | ||
|---|---|---|
| Naturkatastrophen und Jahresgesamtschäden in Mio. EUR |
Limit 2009 | Ist-Wert (Juli 2009) |
| Alle Naturkatastrophenrisiken, Netto-Exponierung | ||
| 100-Jahres-Gesamtschaden | 958,0 | 91 % |
| 250-Jahres-Gesamtschaden | 1.245,4 | 88 % |
Ein wichtiges versicherungstechnisches Risiko ist das Reserverisiko, d. h. die Gefahr der Unterreservierung von Schäden und die sich daraus ergebende Belastung des versicherungstechnischen Ergebnisses. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, ermitteln wir auf aktuarieller Basis unsere Schadenreserven, die wir ggf. um Zusatzreserven auf Basis eigener, aktuarieller Schadeneinschätzungen und um die sogenannte Spätschadenreserve für Schäden, die bereits eingetreten, uns aber noch nicht bekannt geworden sind, ergänzen.
Wesentlicher Einflussfaktor auf die Spätschadenreserve sind Haftpflichtschäden. Die Spätschadenreserve wird differenziert nach Risikoklassen und Regionen errechnet. Die Spätschadenreserve des Hannover Rück-Konzerns betrug im Berichtsjahr 3.537,8 Mio. EUR. Speziell im Bereich der astbestbedingten Umweltschäden handelt es sich um komplexe Berechnungsmethoden. Die Angemessenheit dieser Reserven kann mittels der „Survival Ratio“ abgeschätzt werden. Diese Kennzahl drückt aus, wie viele Jahre die Reserven ausreichen, wenn die durchschnittliche Höhe der Schadenzahlungen der letzten drei Jahre fortdauern würde. Am Ende des Berichtsjahres lag unsere Survival Ratio bei 24,3.
Ein weiteres Instrument der Überwachung sind die von uns genutzten statistischen Abwicklungsdreiecke. Sie zeigen, wie sich die Rückstellung im Zeitablauf durch die geleisteten Zahlungen und die Neuberechnung der zu bildenden Rückstellung zum jeweiligen Bilanzstichtag verändert hat. Deren Angemessenheit wird aktuariell überwacht (vgl. hierzu Kapitel 6.7 „Versicherungstechnische Rückstellungen“). Eine Qualitätssicherung unserer eigenen aktuariellen Berechnungen zur Angemessenheit der Reservehöhe erfolgt jährlich redundant durch externe Aktuars- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
| Rückstellungen für asbestbedingte Schäden und Umweltschäden | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2009 | 2008 | ||||||
| in Mio. EUR | Einzel- schaden- rück- stellungen |
Spät- schaden- rück- stellungen |
Survival Ratio in Jahren |
Einzel- schaden- rück- stellungen |
Spät- schaden- rück- stellungen |
Survival Ratio in Jahren |
|
| Asbestbedingte Schäden/ Umweltschäden | 26,2 | 171,4 | 24,3 | 23,0 | 127,2 | 25,0 | |
| Entwicklung der kombinierten Schaden-/Kosten- und Großschadenquote | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| in % | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 20051 | 20041 | 20031, 2 | 20021, 2 | 20011, 2 | 20001, 2 |
| 1 Inkl. Finanz-Rückversicherung und Specialty Insurance | ||||||||||
| 2 Auf US GAAP-Basis | ||||||||||
| 3 Naturkatastrophen sowie sonstige Großschäden >5 Mio. EUR brutto für den Anteil des Hannover Rück-Konzerns in Prozent der verdienten Nettoprämie | ||||||||||
| Schaden-/Kostenquote der Schaden-Rückversicherung | 96,6 | 95,4 | 99,7 | 100,8 | 112,8 | 97,2 | 96,0 | 96,3 | 116,5 | 107,8 |
| davon Großschäden3 | 4,6 | 10,7 | 6,3 | 2,3 | 26,3 | 8,3 | 1,5 | 5,2 | 23,0 | 3,7 |
| Stresstests für Naturkatastrophen nach Retrozessionen in Mio. EUR | 2009 | 2008 |
|---|---|---|
| Auswirkung auf den prognostizierten Gewinn | ||
| 100-Jahres-Schaden Sturm Europa | –114,7 | –203,3 |
| 100-Jahres-Schaden Sturm USA | –281,8 | –279,4 |
| 100-Jahres-Schaden Sturm Japan | –204,3 | –97,7 |
| 100-Jahres-Schaden Erdbeben Tokio | –201,4 | –217,6 |
| 100-Jahres-Schaden Erdbeben Kalifornien | –244,9 | –260,2 |
| 100-Jahres-Schaden Erdbeben Sydney | –150,6 | –107,3 |
Zur Einschätzung der für uns wesentlichen Katastrophenrisiken aus Naturgefahren (Erdbeben, Stürme) kommen lizenzierte wissenschaftliche Simulationsmodelle zum Einsatz, die wir durch die Expertise unserer Fachbereiche ergänzen. Ferner ermitteln wir das Risiko für unser Portefeuille durch verschiedene Szenarien (z. B. USA/Hurrikan, Europa/Sturm, USA/Erdbeben) in Form von Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Die Überwachung der Naturgefahrenexponierung des Hannover Rück-Portefeuilles (Kumulkontrolle) wird durch die sukzessive Einführung von realistischen Extremschadenszenarien vervollständigt. Im Rahmen der Kumulkontrolle dieser Risiken bestimmt der Vorstand auf Basis der Risikostrategie einmal im Jahr die Risikobereitschaft für Naturgefahren. Sie ist eine wesentliche Grundlage für unser Zeichnungsverhalten in diesem Segment. Zur Risikolimitierung werden maximale Zeichnungslimite für verschiedene Extremschadenszenarien und Wiederkehrperioden unter Berücksichtigung von Profitabilitätskriterien festgelegt. Deren Einhaltung wird permanent durch die zentrale Risikoüberwachungsfunktion sichergestellt. Der Risikoausschuss, der Vorstand und das für die Steuerung verantwortliche Gremium der Schaden-Rückversicherung werden regelmäßig über den Auslastungsgrad informiert.
Wir berücksichtigen im Rahmen unseres ganzheitlichen und geschäftsfeldübergreifenden Risikomanagements eine Vielzahl relevanter Szenarien und Extremszenarien, ermitteln deren Auswirkung auf die Bestands- und Erfolgsgrößen, beurteilen sie im Vergleich zu den geplanten Werten und zeigen Handlungsalternativen auf.
Das Preis-/Prämienrisiko besteht in der Gefahr einer eingeschränkten oder fehlerhaften Abschätzung künftiger Schadenfälle insbesondere in Bezug auf den Zeitablauf. Regelmäßige und unabhängige Überprüfungen der bei der Vertragsquotierung genutzten Modelle sowie implementierte Verfahren, z. B. verbindliche zentrale und dezentrale Zeichnungsrichtlinien, sind wichtige Steuerungselemente. Ferner werden regelmäßig Berichte über den Verlauf der jeweiligen Vertragserneuerungen durch die Marktbereiche der Hannover Rück erstellt. Dabei wird unter anderem über wesentliche Konditionsveränderungen, Risiken (z. B. unauskömmliche Prämien) und auch über sich ergebende Marktchancen sowie die zur Zielerfüllung verfolgte Strategie berichtet.