Ergebnisentwicklung
Die wesentlichen Einflussfaktoren für die Ergebnissituation der Hannover Life Re definieren sich aus unserem Geschäftsmodell und umfassen die drei Komponenten
- Verlauf der drei biometrischen Risiken Sterblichkeit, Morbidität und Langlebigkeit, strukturelles Risiko der Bestandsfestigkeit sowie bei Verträgen der Finanzierungsrückversicherung einzelkundenbezogenes Kreditrisiko,
- Entwicklung der internationalen Kapitalmärkte sowie der Währungskurse insbesondere bei den für uns relevanten Währungen EUR, GBP, USD, AUD und ZAR,
- Entwicklung der eigenen Verwaltungskosten.
Dabei spielten im Berichtsjahr die Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten, insbesondere bei der Bewertung von festverzinslichen Wertpapieren in den USA und in Großbritannien, eine signifikante Rolle.
Diese Entwicklungen bezogen sich schwerpunktmäßig auf unsere bei Zedenten hinterlegten Deckungsrückstellungen. Ebenfalls hatten sie einen großen Einfluss auf die im Februar 2009 übernommenen zusätzlichen Kapitalanlagen von 1,3 Mrd. USD im Zusammenhang mit der US-Bestandsakquisition.
Die Risikosituation bei den drei biometrischen Risikokategorien Mortalität, Morbidität und Langlebigkeit stellt sich insgesamt als zufriedenstellend dar, auch wenn wir in einigen Teilbeständen in Großbritannien erhöhte Sterblichkeiten und in Australien eine erhöhte Schadenfrequenz im Invaliditätsrentengeschäft festgestellt haben.
Die Sterblichkeit im übernommenen Bestand aus unserer Akquisition von US-Mortalitätsgeschäft entsprach brutto unseren Erwartungen, während sie im Selbstbehalt leicht über unseren Planrechnungen lag.
Die strukturellen Risiken der Bestandsfestigkeit und des Kreditrisikos waren im Zuge der weltweiten Finanzmarktkrise einem Stresstest ausgesetzt. Speziell im deutschsprachigen Bereich, in dem wir als ein führender Rückversicherer von fondsgebundenen Lebens- und Rentenprodukten agieren, haben wir im ersten Halbjahr 2009 deutlich erhöhte Stornoraten festgestellt, die sich allerdings gegen Jahresende stabilisiert haben. Unsere aktuariellen Bewertungen haben hier gezeigt, dass bei einzelnen Verträgen moderate zusätzliche Reduzierungen der aktivierten Abschlusskosten sinnvoll geworden sind.
Das für die Säule Financial Solutions relevante Kreditrisiko, das sich in einer Unfähigkeit eines Zedenten realisieren würde, die erhaltenen Vorfinanzierungen zu amortisieren, hatte bisher keine Auswirkung auf unser weltweites Zedenten-Portefeuille.
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass viele Lebensversicherer durch die Ratingagenturen herabgestuft oder mit einem schwächeren Ausblick versehen worden sind – insgesamt hat sich also die Kreditqualität des Lebensversicherungsmarktes verschlechtert. Unsere Kunden haben typischerweise ein sehr respektables Rating von „AA–“ oder „A+“ nach Standard & Poor’s.
Sehr gravierend haben sich im Berichtsjahr die Auswirkungen von Finanzmarktentwicklungen bemerkbar gemacht, insbesondere in Bezug auf Marktwertanpassungen für die im Rahmen von Depots bei US-Zedenten hinterlegten Wertpapiere (sog. ModCo-Derivate). Allerdings waren, anders als im Vorjahr, diesmal die Auswirkungen auf die Ertragsrechnung im operativen Ergebnis mit 121,8 Mio. EUR sehr positiv.
Insgesamt ergab sich ein Kapitalanlageergebnis von 520,1 Mio. EUR; dies entspricht einer Steigerung um 111,8 %. Davon stammen 280,2 Mio. EUR aus den selbstverwalteten Kapitalanlagen und 239,9 Mio. EUR aus den Gutschriften der bei Zedenten hinterlegten Rückstellungsdepots.
Besondere Aufmerksamkeit legen wir traditionell auf schlanke Prozesse, eine effiziente Personalstruktur und kurze Entscheidungswege. Die eigenen Verwaltungskosten beliefen sich im Berichtsjahr auf 98,3 Mio. EUR, also 2,2 % der Bruttoprämie. Damit liegt unsere Verwaltungskostenquote deutlich unter der unserer wichtigsten Wettbewerber.
Das operative Ergebnis (EBIT) belief sich auf einen Rekordwert von 372,2 Mio. EUR. Dies entspricht einer EBITRendite von 9,1 %.
Eliminiert man sämtliche einmaligen Sondereinflüsse, unter anderem die aus der Übernahme des ING-Lebensrückversicherungsportefeuilles und aus den Marktwertanpassungen bei Rückversicherungsdepots in den USA und Großbritannien, so stellt sich ein reguläres operatives Ergebnis von 230,0 Mio. EUR ein. Dies liegt im Rahmen unserer Erwartungen.
Mit einer Steuerquote von 19,7 % und unter Abzug von Minderheitsanteilen ergibt sich dann ein Konzernergebnis von 295,5 Mio. EUR (78,3 Mio. EUR), das einen historischen Rekordwert für die Hannover Life Re darstellt. Dies entspricht einem Gewinn je Aktie von 2,45 EUR.