Brief des Vorstandsvorsitzenden
Verehrte Aktionäre, sehr geehrte Damen und Herren,
Ulrich WallinVorsitzender des Vorstands
das Jahr 2009 hat für Ihre Hannover Rück mit einem sehr guten Ergebnis geschlossen. Erstmals konnten wir ein operatives Ergebnis von mehr als einer Milliarde Euro erzielen. Für die nachhaltige, positive Entwicklung Ihrer Hannover Rück ist es zudem von besonderer Bedeutung, dass wir das Eigenkapital der Hannover Rück im Jahre 2009 um mehr als 30 % steigern konnten.
Zu dieser positiven Entwicklung haben beide Geschäftsfelder, die Schaden- und die Personen-Rückversicherung, maßgeblich beigetragen. Das Ergebnis der Personen-Rückversicherung war außerdem durch positive Einmaleffekte begünstigt. Diese sind zum einen im Zusammenhang mit unserer Akquisition eines großen US-amerikanischen Lebensrückversicherungsbestandes angefallen und zum anderen den verringerten Risikoprämien für Unternehmensanleihen zu verdanken. Auch wenn man diese Einmaleffekte herausrechnet, die sich so sicher nicht wiederholen werden, ist das Ergebnis des Jahres 2009 sowohl für das Geschäftsfeld Personen-Rückversicherung als auch für die Hannover Rück insgesamt ganz hervorragend gewesen.
Die Rückversicherungsindustrie insgesamt hat in der Finanz- und Wirtschaftskrise eine bemerkenswerte Robustheit gezeigt. Dies hat auch dazu geführt, dass der Wert von Rückversicherungsdeckungen zum Zwecke des Risikomanagements sehr deutlich geworden ist. Und das hat schließlich zu der erhöhten Nachfrage sowohl nach Schaden- als auch nach Personen-Rückversicherung geführt. Von dieser gestiegenen Nachfrage konnten wir aufgrund unserer soliden Finanzkraft und unserer guten Marktposition auch im Vergleich zum Wettbewerb besonders profitieren. Deutlich macht dies das überdurchschnittliche organische Wachstum von über 15 % in beiden Geschäftsbereichen.
Damit konnten wir auch nach einigen Jahren schwindender Prämieneinnahmen diese im Berichtsjahr wieder deutlich steigern.
Damit aus dieser positiven Tendenz, die sich im Berichtsjahr manifestiert hat, auch ein langfristiger Trend wird, entwickeln wir unsere Geschäftsmodelle in der Schaden- und Personen-Rückversicherung stetig fort und loten neue Geschäftschancen aus. Zu diesem Zweck haben wir im Berichtsjahr die nötigen Strukturen geschaffen, um derartige Möglichkeiten systematisch und konsequent identifizieren und so attraktives Neugeschäft generieren zu können.
Der Stabwechsel an der Spitze Ihres Unternehmens und die mit dem Wechsel einhergehenden Änderungen der Zuständigkeiten im Vorstand verliefen reibungslos. Entsprechend der Ressortverantwortung gliedern wir unser Schaden-Rückversicherungsportefeuille nunmehr in drei Teilbereiche, nämlich die Zielmärkte, das Spezialgeschäft und die globale Rückversicherung. Dabei setzen wir unsere Strategie der nachhaltigen, ertragsorientierten Geschäftspolitik weiterhin konsequent um.
Im Geschäftsfeld der Schaden-Rückversicherung möchte ich vor allem unser gutes versicherungstechnisches Ergebnis hervorheben, das wir erzielen konnten, ohne unser Prinzip der sehr konservativen Schadenreservierung anzutasten. Dies zeigt zum einen die gute Qualität unseres Geschäftes, zum anderen ist das Ergebnis aber auch durch die im Berichtsjahr recht geringe Belastung durch Großschäden begünstigt worden. Die teuersten Schadenereignisse aus Naturkatastrophen waren für uns im Berichtsjahr die Buschfeuer in Australien und der Wintersturm „Klaus“ in Europa. Darüber hinaus waren größere Einzelschäden, etwa im Luftfahrtbereich, zu verkraften. Insgesamt lagen die Belastungen aus Großschäden jedoch unterhalb des Schadenerwartungswertes.
Verehrte Aktionäre, wie Sie wissen, spielt für uns seit Jahren auch der Transfer von Versicherungsrisiken in den Kapitalmarkt eine besondere Rolle beim Risikomanagement von Spitzenrisiken. Obwohl im Berichtsjahr die Verhältnisse am Kapitalmarkt noch schwierig waren, konnten wir unsere erstmals 2006 begebene Katastrophenanleihe „Eurus“ mit einem erhöhten Volumen erneuern. Mit dieser Transaktion schützen wir uns gegen das Risiko europäischer Sturmereignisse.
Darüber hinaus haben wir 2009 erstmals ein Portefeuille fakultativer Rückversicherungsrisiken in den Kapitalmarkt transferiert. Hierbei ging es nicht um den Schutz unseres eigenen Geschäftes, sondern um den unmittelbaren Transfer des Geschäftes unserer Kunden in den Kapitalmarkt.
In der Personen-Rückversicherung hat, ich sagte es schon, neben einem guten zweistelligen organischen Wachstum insbesondere eine Akquisition für einen kräftigen Schub der Prämieneinnahmen und der Ergebnisse gesorgt. Die Übernahme eines großen Bestandes an US-Lebensrückversicherungsrisiken stellte zugleich einen Meilenstein für unsere strategische Ausrichtung dar. Die Transaktion mit einem jährlichen Prämienvolumen von über einer Milliarde US-Dollar im Berichtsjahr und den kommenden Jahren stärkt unser Geschäftssegment der Risikorückversicherung in den USA erheblich. Hier waren wir bislang unterrepräsentiert. Die Akquisition sorgt aber auch für eine noch bessere Diversifizierung unserer Ertragsquellen, weil das stabilere Lebensrückversicherungsgeschäft nun einen noch größeren Anteil am Gesamtportefeuille einnimmt. Der deutliche Gewinnsprung in der Personen-Rückversicherung resultiert aus einem guten Geschäftsverlauf unserer weltweiten Aktivitäten in diesem Bereich. Hinzu kamen die bereits erwähnten positiven Einmaleffekte.
Unser Kapitalanlageergebnis ist durch unsere konservative Asset-Allokation bestimmt. Über 90 % unserer Kapitalanlagen sind in festverzinslichen Wertpapieren angelegt mit einem Schwerpunkt auf Staats- oder staatlich garantierten Anleihen sowie Unternehmensanleihen mit sehr guter Bonität. Diese risikoaverse Anlagepolitik hat aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus einerseits zu einer im Vergleich zum Vorjahr geringeren Verzinsung geführt. Andererseits sind die Abschreibungen im Vergleich zum Vorjahr aufgrund der sich wieder normalisierenden Finanzmärkte ganz erheblich geringer ausgefallen. Zu erwähnen bleibt noch, dass sich auch im Kapitalanlageergebnis die Wiederaufholung der Werte der sogenannten ModCo-Derivate als Einmaleffekt positiv niedergeschlagen hat. Planmäßig haben wir im Berichtsjahr auch unsere Investitionen in Immobilien ausgeweitet. Von Anlagen in börsennotierte Aktien sahen wir dagegen im Berichtsjahr ab, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen erachten wir das Umfeld noch nicht für hinreichend stabil, und zum anderen würden Investitionen in börsennotierte Aktien in den Kapitalmodellen der Ratingagenturen zu einer erheblichen Kapitalbindung führen. Aufgrund unserer guten Akquisitionsmöglichkeiten von attraktivem Rückversicherungsgeschäft haben wir uns entschieden, das Kapital zulasten von Aktieninvestments für die Zeichnung von Rückversicherungsgeschäft zu nutzen.
Nachdem unser Aktienkurs im Jahre 2008 im Zuge der Finanzkrise rückläufig gewesen war, hat er sich im Berichtsjahr mit einer Steigerung von 45 % wieder positiv entwickelt. Im Großen und Ganzen hat der Kurs wieder das Niveau erreicht, das er vor Eintritt in die Finanzkrise hatte.
Verehrte Aktionäre, wie Sie wissen, haben wir bereits nach Ablauf des dritten Quartals eine Dividende von mindestens zwei Euro je Aktie angekündigt. Angesichts des guten Ergebnisses werden Aufsichtsrat und Vorstand der Hauptversammlung vorschlagen, Ihnen eine Dividende von 2,10 Euro je Aktie auszuzahlen.
Unsere Ausgangsposition für das laufende Geschäftsjahr beurteilen wir recht positiv. Wir glauben, dass wir so aufgestellt sind, dass durchaus eine realistische Chance besteht, an das gute Ergebnis aus 2009, bereinigt um die Einmaleffekte, anknüpfen zu können. Dies setzt natürlich voraus, dass sich die Großschäden im Bereich der Erwartungen bewegen und es zu keinen neuen Verwerfungen an den Finanzmärkten kommt.
Mit der Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar 2010 sind wir insgesamt zufrieden, wenngleich zu konstatieren ist, dass insbesondere in den Sachsparten leichte Ratenabriebe zu verzeichnen waren. Auf der anderen Seite konnten wir in der Kredit- und Kautionsrückversicherung sowie in der Luftfahrtrückversicherung weitere Ratensteigerungen durchsetzen. Insgesamt gehen wir nach wie vor von risikoadäquaten Konditionen aus, die es uns ermöglichen sollten, unsere angestrebten Margen zu erzielen. Auch im Geschäftsfeld der Personen-Rückversicherung haben wir bereits am Anfang des Jahres 2010 in vielen Bereichen vielversprechende Geschäftsmöglichkeiten nutzen können. Wir gehen daher bei unveränderten Wechelkursen davon aus, dass wir insgesamt auch im Jahr 2010 ein moderates Wachstum unserer Prämieneinnahmen erreichen können.
Verehrte Aktionäre, für Ihr Vertrauen in die Hannover Rück danke ich Ihnen. Sie können versichert sein, dass meine Vorstandskollegen und ich zusammen mit den Mitarbeitern der Hannover Rück alles tun werden, um Ihre Gesellschaft für die Chancen und Risiken der kommenden Jahre zu rüsten.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Wallin
Vorsitzender des Vorstands